Unsere aktuelle sportliche Situation – Borussia Dortmund – Forum | Seite 3255

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Zitat von wololo

Ich würde « Kovac hat uns stabilisiert » nicht als Nicht-Aussage bezeichnen. Wenn ich die angeführten Statistiken von richtig lese- @BVBBC vielen lieben Dank für den Aufwand, den du mal wieder betrieben hast- sieht man schon eine erhebliche Diskrepanz im Verhalten der Mannschaft bei Rückständen. Vor Kovac war es viel wahrscheinlicher, dass wir uns ein weiteres Gegentor fangen, als dass wir den Ausgleich erzielen. Man sieht zwar auch, dass es bei ausgeglichenem Spielstand noch eher mau aussieht, aber diese Statistik kann schon als Ausdruck dessen verstanden werden, dass die Mannschaft weniger leicht nach Rückschlägen in sich zusammenfällt.
Diese Resilienz und die Laufbereitschaft, welche die Mannschaft unter Kovac gezeigt hat, würde ich definitiv als zwei wichtige Dinge betrachten, die man unbedingt für die nächste Saison erhalten sollte. Auch steht mMn uns das von ihm installierte Gegenpressing gut zu Gesicht.

Ich wäre noch sehr vorsichtig damit, weil auf der anderen Seite ja die Effizienz trotzdem enorm schlecht ist, wenn man in Rückstand gerät und daher weiterhin kein Automatismus damit verbunden ist, dass man wieder zurückkommt. Schließlich ist die Resilienz von der du redest, vor allem erst mal eine Steigerung des Ballbesitzes und daher der spielerischen Variante, die man unter Kovac zu vermeiden versucht. Bei Unentschieden hat man unter Kovac 60,0% Ballbesitz. Bei Führung 48,7%. Bei Rückstand sind es allerdings 69,6%. Wenn man so will, spielen wir erst dann überhaupt druckvoll Fussball und versuchen diesen zu etablieren, wenn wir müssen. Zumindest gegen die Gegner, die es zulassen. Differenziert man die Spiele in Rückstand jedenfalls auch noch nach Ballbesitz, sieht es folgendermaßen aus:

Poss | Spielstand | Poss | Sh | ShA | G | GA | xG | xGA | TV | xG-xGA
>0 bis <60% | R | 50,8% | 7,50 | 3,75 | 3,75 | 1,88 | 1,33 | 0,39 | 1,88 | 0,94
>=60% bis <100% | R | 73,5% | 22,01 | 9,04 | 0,39 | 0,79 | 2,94 | 1,29 | -0,39 | 1,65

Gerade wenn wir den Ballbesitz steigern, weil wir es müssen, ist es noch mehr Aufwand, bei ähnlich wenig Ertrag. Weil der Fussball meines Erachtens ganz grundsätzlich viel weniger darauf ausgerichtet ist.

Wenn Kovac auch in der kommenden Saison den gleichen pragmatischen Ansatz der letzten Wochen fortführt und ein Spielsystem wählt, in dem unsere Stärken betont und unsere Schwächen kaschiert werden und wir uns auf dem Markt gezielt verstärken, bin ich sehr zuversichtlich, dass die von dir angesprochenen Spiele besser laufen werden.

Das sehe ich noch nicht als den pragmatischen Ansatz, sondern vor allem, dass man sich vom Spielstand und Gegner abhängig macht, indem man selbst erst mal versucht möglichst wenig anzubieten, um dann in Führung die Schwächen des Gegners zu bespielen. Die Abhängigkeit in Führung zu gehen, wird mir jedenfalls mehr denn je unterschätzt, weil der präferierte Spielstil unter Kovac erst dann überhaupt umsetzbar ist.

Wir bieten bis dahin aber genug Schwächen in der Formation an, indem Spieler Positionen bekleiden, auf denen sie es schwer haben zu glänzen oder Arbeiten verrichten müssen, die ihnen nicht liegen. Gerade in Verbindung mit 3er Kette funktioniert aktuell vieles offensiv besser als es funktionieren dürfte, weil diese, so wie wir sie spielen, taktisch genug Defizite mit sich bringt. Vor allem die Schienenbesetzung sollte eigentlich viel mehr Probleme bedingen, weil hier eben nicht auf die Stärken der Spieler abgestellt wird, aber auch der tiefe Schwerpunkt der Kette müsste mehr Probleme im Spiel nach vorne bedingen, wenn man nur ein 2er Zentrum aufbietet. Von den Fähigkeiten der AIV nach vorne zu verteidigen mal ganz zu schweigen. Gittens ist zudem eine Warnung dessen, dass Kovac aktuell immer noch viel experimentiert, anstatt auf Erfahrungswerte zurückzugreifen, wie es mit ihm funktioniert. Manches klappt nur besser, als es das Experiment langfristig erwarten lässt.

Dazu funktioniert vieles, per individueller Qualität, was in der Hinrunde lange nicht funktionierte. Vor allem Groß Fitness scheint mir ein größerer Faktor zu sein, da er seit einigen Wochen klarer Schlüsselspieler ist, obwohl sich taktisch für ihn eigentlich wenig verändert hat. Er hatte aber in der Hinrunde immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen und war nicht richtig fit. Aktuell scheint es sogar so, dass sein Hackentrick noch nicht überall in der Liga bekannt ist. Unterm Strich würde ich die taktischen Hebel daher nicht überschätzen.

Unsere Schwächen sehe ich zum einen auf der AV. Für mich ist der AV die Position mit den komplexesten Anforderungen im modernen Fußball. Defensiv stark, schnell in der Rückwärtsbewegung, torgefährlich und mit Spielmacherqualitäten ausgestattet sollen sie sein. Das hat schon was von der eierlegenden Wollmilchsau. Da ist es auch wenig verwunderlich, dass es uns in den letzten zehn oder so Jahren fast nie gelungen auf beiden Seiten Spieler zu haben, bei denen nicht zumindest eine oder zwei Anforderungen ungenügend waren.
Die zweite Schwäche ist in unserem Zentrum, zum einen fehlt uns jemand der neben Nmecha dort den Spielaufbau übernehmen kann und zum anderen fehlt uns weiter vorne jemand, der in statischen Situationen, sei es durch Kreativität oder individueller Spielstärke unsere Angreifer verlässlich einsetzen kann.

Das Hauptproblem auf AV ist für mich weiterhin, dass man hier eigentlich nur Couto für die Schiene hat und der kommt auf Grund defensiver Präferenzen nicht mal klar zum Zug. Diese defensiven Präferenzen sind im Verbund mit 3er Kette dabei nicht gerade logisch, bedingen sie doch einen umso passiveren Ansatz. Svensson macht das Ganze deutlich besser als man von ihm erwarten darf, aber seine Stärken werden damit definitiv trotzdem nicht eingesetzt.

Was unserem Zentrum ansonsten die meiste Zeit der Saison fehlt, ist Pressingresistenz, selbst bei Manndeckung. Dahingehend war man zu Saisonbeginn komplett von einem fitten Nmecha abhängig, den man aber gleichzeitig recht bald genau deswegen als Holding 6 installieren musste, weil Can es nicht packte. Dadurch hat man aber sämtliche dynamischen Potenziale im Mittelfeld rausgenommen, um den Ballvortrag auch unter hohem Gegnerdruck hinzubekommen. Das ist denke ich eine Sache, die die 3er Kette verbessert hat, indem Nmecha dadurch weiträumiger erlaubt ist – was nicht heißt, dass es bei 4er Kette nicht möglich wäre, sondern nur, dass ein Nebenmann dafür fehlte. Den hätte man mit Chukwuemeka nun, nutzt ihn aber kaum dafür, sondern deutlich offensiver.

Was das Kreativelement in statischen Situationen betrifft, bin ich bei dir, aber aktuell sehr skeptisch, dass das auch angegangen wird. Ich habe hier große Sorge, dass man Cherkis Möglichkeiten und Fit überschätzt und Bellingham verleiht nicht die Optionen, die Chukwuemeka dem Zentrum bieten kann.

Die dritte Schwäche ist die Kaderbreite allgemein.

Die Kaderbreite ist vor allem wegen der Inhomogenität eine Schwäche. Nahezu jeder Wechsel ist ein Systemeingriff, mit größeren Konsequenzen als einem lieb sein kann. Die aktuellen Gerüchte sprechen für mich auch hier nicht dafür, dass diese effektiv reduziert wird, worin ich aktuell allgemein die größte Gefahr sehe, weil Pragmatismus als Konzept diese Inhomogenität leicht fördern kann, obwohl sie zu reduzieren ist.

Unsere Stärken sehe ich zum einen in unseren spielstarken IV. Schlotterbeck, Anton und Süle sind rein von ihrer spielerischen Qualität in der Bundesliga absolut top. Can und Bensebaini haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie in einer Dreierkette dort auch gut funktionieren.

Mir wird die 3er Kette zu arg überschätzt, weil vieles eben nicht so gut ist, wie es aktuell aussieht. Schlotterbeck ist absolut top, fehlt aber noch eine ganze Weile und hatte seine besten Leistungen meines Erachtens immer in der 4er Kette, weil er dann weniger nach außen verteidigen muss, um deutlich dynamischere Spieler aufzunehmen. Dahingehend hat er schon noch ein paar Schwächen, zumal man ihn auch im Aufbau weiter außen limitert, was man zwar mit Asymmetrie umgehen kann, aber dann effektiv auch keine 3er Kette mehr darstellt.

Anton stand die meiste Zeit der Saison zu heftig in der Kritik, obwohl eigentlich nur die Zeit rund um das VfB Spiel schlecht war, als es insgesamt nicht funktionierte. Dass Can es dann erst mal besser machte, hatte vor allem damit zu tun, dass er schneller ist und damit vieles wegverteidigen konnte, wofür Anton nicht schnell genug ist. Gewissermaßen haben beide daher Fähigkeiten, die es neben Schlotterbeck benötigt, ohne sie aber zu vereinen. Denn Can ist spielschwächer, auch in der IV, wenngleich man es dort deutlich besser verstecken kann als im DM diese Saison. Im Andribbeln sind sogar beide limitiert, weil fehleranfällig.

Bei Süle liegt aber meines Erachtens die größte Diskrepanz in der Bewertung vor, da er im Aufbau die Dinge sehr einfach hält. Dadurch macht er wenig Fehler, seine Pässe bringen aber auch nicht besonders viel ein. Problematischer finde ich jedoch, dass er taktisch ungern aggressiv am Mann verteidigt, obwohl genau das bei 3er Kette als AIV häufiger nötig ist, damit man die Schiene defensiv nicht auch noch mit einem Angreifer unterstützen muss. Damit eine 3er Kette funktionieren kann, muss sie bedingungslos durchschieben können, indem die AIV die OA aufnehmen. Sonst gerät die 3er Kette auf Dauer deutlich zu defensiv, weil man eh schon 5 Defensive hat und weitere Spieler dazu zwingt defensiver mitzuarbeiten als nötig.

Dazu wäre es sogar wünschenswert, wenn sogar am Ball die Position aufgelöst werden kann, wenn sie gar nicht gebraucht wird, bspw. gegen einen tief positionierten Gegner. Dahingehend sehe ich uns aber nicht gut aufgestellt, weil keiner der klassischen IV zum vollwertigen AV oder gar DM werden kann, ohne gleich wieder Probleme in der Pressingresistenz zu bekommen. Viel mehr als Räume besetzen, ist dann oft nicht drin, was aber spielerisch noch nicht genug Wert mit sich bringt. Einzig für Bensebaini funktioniert die 3er Kette taktisch vermutlich auch langfristig besser, aber für mich bringt er trotzdem kein Stammspielerlevel, da er dafür nicht die großen Stärken in seinem Spiel hat.

Unsere zweite große Stärke ist die Athletik gepaart mit Dribbelstärke in der Offensive. Adeyemi, Beier, Duranville Gittens sind alle vier sehr schnell und drei der vier haben auch schon häufig ihre Stärke im 1 gegen 1 bewiesen und die dritte große Stärke bleibt für mich unser Neuner. Ja, Guirassy hat nicht nur positive Seiten, aber wie wichtig ein Topknipser wie er ist, sieht man in den teilweise absurden Preisschildern, die MS bekommen.

Das Problem bleibt für mich die Abstimmung der Offensive aufeinander. Keiner der OA ist gut darin Durchbrüche zur Linie zu provozieren oder zu flanken, was Guirassy am liebsten verwertet. Es ist schon einigermaßen absurd, wie viele derartige Aktionen mittlerweile vor allem Groß zu Assists für Guirassy gemacht hat, die aber von den OA nicht grundlos komplett fehlen. Die schließen fast alle lieber selbst ab, agieren invers und damit gegenläufig zur nötigen Vorbereitung für Guirassy, lieben vertikale Bälle oder haben nicht die Kontrolle in statischen Situationen in ihren Aktionen, um überhaupt kreieren zu können. Das ist weiterhin komplett gegenläufig, weswegen hier immer eine Partei nicht nach ihren Stärken agieren darf.

Dazu kostet die 3er Kette aktuell immer einen Kreativen, ob Gittens außen oder Brandt zentral, je nachdem, ob man 2er oder 3er Zentrum spielt, obwohl man eh schon eher zu wenig Kreativität auf dem Platz hat und zu viele Spieler, die sich um die dadurch nicht gerade vielen Abschlüsse streiten. Das macht uns wiederum davon abhängig, dass der Gegner aufmacht, damit wir mehr Räume bekommen, die wir bespielen können, womit ich wieder bei den Problemen im Spielzustand Unentschieden wäre. Darüber haben wir effektiv keine Kontrolle, weil wir sie maximal defensiv herzustellen versuchen, ohne dass uns das in dem dafür nötigen Maß gelingt, da der xGA dann extrem nah bei 0 liegen sollte und nicht bei 1 oder gar höher!

Dass Guirassy trotzdem viele Tore macht, ist sicher eine Geschichte, die er Kovac zu verdanken hat, weil er mehr Klarheit reingebracht hat, dass er der primäre Abschlussspieler ist und der Rest sich danach richten muss. Dennoch ist sein Wert für uns nicht so hoch, wie er es sein könnte und diesen Wert zu erreichen, erwarte ich zu teuer und daher nicht lohnenswert. Somit wird das Ganze denke ich nie effizient werden, weil Guirassy viele (gute) Chancen bekommen wird, in deren Vollstreckung er nicht gut ist, während er zu wenig bekommt, worin er als Vollstrecker extrem stark ist. Entsprechend halte ich die aktuell erzielbaren Ablösen für ihn für ein vielfaches höher als den sportlichen Wert, den er für uns hat.

Die Systeme, die dem am besten entgegenkommen, sind das 3-5-2 oder das 3-4-3 in allen seinen Variationen, welche unter Kovac zuletzt so erfolgreich waren. Die Komplexität der Anforderungen an unsere AV wird reduziert, wir bekommen mehr unserer spielstarken IV auf den Platz und sie bekommen mehr Freiheit sich am Spielaufbau zu beteiligen, was auch im DM zu etwas Entlastung führt. Das aggressive Gegenpressing führt zu mehr Umschaltgelegenheiten, in denen unsere Offensive besser ihre PS auf den Platz bekommt und die kürzeren Wege führen auch dazu, dass Guirassy besser in erfolgversprechenden Positionen eingebunden werden kann.

Meines Erachtens ändert sich an der Komplexität für die AV rein gar nichts. Sie haben lediglich einen Mann zusätzlich zur Absicherung, weil Can, der das ursprünglich vom DM aus machen sollte, dort im Ballbesitz nicht mehr spielbar war. Man könnte höchstens damit argumentieren, dass es als Linienläufer einfache ist, denn als LV-ZM-Hybrid, der immer wieder ins Zentrum kippt. Allerdings hat man mit Svensson dafür nun ja einen Mann, der genau das gut kann, weswegen der LV sich wieder an ein Spiel anpassen muss, für das er nicht ideal ist. Diesmal nur unter umgekehrten Vorzeichen. Auch Ryerson hat übrigens enorme Schwierigkeiten die Breite zu halten. Dass das bislang kaum ein Faktor in unserem Spiel ist, noch dazu angesichts der weiteren offensiven Limitationen von Ryerson, ist kaum durch das System zu erklären. Schließlich müssten die Schienen den fehlenden Kreativen gemeinsam ersetzen. Können sie das aber? Ich denke nicht.

Wieso die 3er Kette für die IV in meinen Augen überschätzt wird, habe ich weiter oben bereits zu erklären versucht. Gerade aber der Verweis mit der Entlastung des DM ist aber nochmal ein guter Verweis, warum hier eigentlich ein Problem vorliegt. Denn keiner der IV wird effektiv zu einem DM. Wie auch, wenn der größte Profiteur der 3er Kette ausgerechnet dort gescheitert ist und sich aus der Startelf spielte, weil er dort zu spielschwach war? Dabei durfte Can schon unter Sahin zwischen die Kette abkippen, wenn nötig. Keiner der IV ersetzt daher in irgendeiner Weise einen Mittelfeldspieler im 3-4-3 und im 3-5-2 kostet es uns dann eben einen Offensiven. In beiden Fällen kostet es einen Kreativspieler, obwohl die Kreativabteilung unterbesetzt und schlecht auf den nun eindeutigen primären Abschlussspieler abgestimmt ist.

Unser Gegenpressing ist ansonsten sicher etwas, was unter Kovac anders geworden ist, weil die Absicherung besser funktioniert. Das ist sicher ein taktischer Vorteil, indem die Rochaden nicht mehr im Spiel sind, worüber die Zuordnung klarer wird. Das ist somit aber kein individueller Hebel, sondern ein kollektiver, um die Defensive zu stärken. Individuell ist keiner besser oder schlechter dran als mit 4er Kette ursprünglich geplant, weswegen sich auch insgesamt der PPDA nicht großartig zu Sahin verändert hat, sondern auf gutem Niveau bleibt, aber weit weg, von dem, was die Bayern diese Saison bspw. gezeigt haben.

Wo ich daher für die kommende Saison die Hebel ansetzen würde, wäre zum einen die Verstärkung unserer IV. Ein jüngerer, schneller und spielstarker IV, der Can oder Süle beerben könnte, scheint mir deutlich einfacher zu realisieren, als zwei neue AV, die wir für eine Rückkehr zur Viererkette brauchen würden. Im Zentrum ein 6e oder defensiver 8er als Ersatz für Can/Özcan/Sabitzer und idealerweise zwei Spieler für die offensive 8er oder 10er Position wo wir uns von Brandt und Reyna trennen sollten und auch bei Groß ist abzusehen, dass es wohl kaum für länger als die kommende Saison reichen wird. Und weiter vorne ginge es mir primär um die Breite solange nicht mehr als Gittens geht.

Bin bei den Transferzielen in IV und ZM bei dir, komme aber zu einem anderen Schluss bezüglich der AV und Breitengeber. Einzig Couto ist ein klarer Schienenspieler. Der Rest ist auf AV meines Erachtens besser, falls nicht sogar in der IV einer 3er Kette (Bensebaini). Daher hat man auf AV sowieso weiteren Handlungsbedarf. Gerade wenn der einzig echte Schienenspieler für die Schiene kaum eine Rolle spielt, sondern dort präferiert AV mit AV Aufgaben gespielt werden, obwohl ein Kreativer für den 3. IV geopfert wird, wodurch die Schienen bedingungslos offensiver sein sollten als die AV. Was wiederum nur der Fall ist, wenn die AIV konsequent durchschieben, was aber nicht konstant passiert.

Wenn zudem vorne Breite fehlt, bestätigt sich schon, warum die Schienen ein Problem und daher nicht passend besetzt sind. Denn genau das ist deren wichtigste Aufgabe, wenn die Position schon als Schiene bezeichnet wird. Diese Spieler müssen autark die Außenlinie bearbeitet bekommen oder andernfalls sind die Aufgaben eben doch weiterhin zu komplex für diese Besetzung. Unabhängig davon spricht zudem nichts dafür, dass die OA zukünftig für Breite sorgen werden. Es ist eher sogar mit noch weniger zu rechnen, wenn man Cherki holen sollte, aber bei 3er Kette bleibt, während Gittens Abgang quasi sicher scheint. Ob mit AV oder Schienen, es ist absehbar, dass über diese Position auch nächste Saison die Breite hergestellt werden muss und bestenfalls reduziert man diese Anforderung im Wechsel mit den OA, aber auf keinen Fall vollständig oder auch nur weitestgehend.

Wenn ich dahingegend auf die Spieler schaue, mit denen der BVB in Verbindung gebracht wird, scheinen die Namen, das auch weitestgehend zu bestätigen. Bellingham für die 6/8, Cherki auf der 10 oder gegebenenfalls auch als RA und Chukwuemeka für die 8/10, auch wenn seine fehlende Belastbarkeit die Chancen zu reduzieren scheint. Die Drei würden die Probleme in unserem Zentrum wahrscheinlich lösen können, auch wenn es eng bei der Finanzierung wäre. In der IV scheint man ja mit Can und Süle bewusst in ihr letztes Vertragsjahr gehen zu wollen und auch hier gab es auch schon einige Gerüchte, auch wenn mir dort die Namen- Itakura und Koch- deutlich weniger gefallen.

Ich bin da deutlich skeptischer, sehe in Bellingham noch nicht die Qualität, die sein Bruder hat und noch nicht mal die beste Position für die Zukunft. Vor allem seine dynamischen Defizite gefallen mir gar nicht. Zumal auch Cherki diese mit sich bringt, auch wenn er noch mehr über seine Technik kompensieren kann als Jobe selbst mit seiner Physis. Die Gefahr weiterhin bei Manndeckung aufgefressen zu werden, wird für mich so nicht reduziert, wie mit Chukwuemeka versucht, an dessen Weiterverpflichtung ich nicht mehr glauben würde, wenn man Bellingham und Cherki holt. Unabhängig davon sind sowohl Bellingham als auch Cherki Spezialisten dafür Tiefenläufe einzusetzen und brauchen Tempo um sich herum. Den Guirassy Fit sehe ich daher auch nicht gestärkt. Eher im Gegenteil. Dazu ist Cherki defensiv ein deutliches Downgrade, setzt also auch nicht da an, wo Kovac individuell seinen klarsten taktischen Hebel hatte.

Ein physisch starker, athletischer Kader, der weniger auf ausgefallene taktische Rafinessen angewiesen ist, sondern aus einer stabilen Defensive mit Umschaltfußball und individueller spielerischer Überlegenheit agiert, käme nicht nur Kovac zu Gute, sondern würde die Ausnahmetalente, deren kurze Verweildauer Teil des Geschäftsmodells ist, auch leichter austauschbar machen.

Wir haben meines Erachtens auf AV und im Zentrum vor allem ein dynamisches Defizit, um uns vom Mann zu lösen, damit man Situationen dynamisch auflösen kann (nicht nur im 1gg1) und umgekehrt auch defensiv stellen zu können, ohne die Absicherung zu gefährden. Auch der IV neben Schlotterbeck dürfte schneller sein. Vor allem die Spielverbindung ist eine Baustelle im Ballbesitz, weniger der Aufbau. Deswegen behilft man sich unter Kovac mit mehr Umschaltmomenten, die aber der Gegner mehr steuert als der BVB. Der spielt sie vor allem aus, wobei auch hierfür Tempo hilfreich ist.

Ich sehe aber sogar die Gefahr, dass man das weiter reduziert, wenn man Bellingham und Cherki holt, indem der Offensive maximal noch ein Tempospieler (Beier/Adeyemi) gelassen wird. Was effektiv dazu führt, dass man statischeren Ballbesitz gestalten können muss, worauf es Kovac bis hierhin aber eben gar nicht angelegt hat, sondern eben auf mehr Umschaltmomente. Dabei hat der Kader seit dem Winter genug Optionen hergegeben, um einen anderen Entwicklungsschwerpunkt zu setzen, wenn man denn hätte wollen. Somit besteht bei den offenbar prioritär anvisierten Transfers meines Erachtens nicht nur die Gefahr, dass der Kaderfit suboptimal ist, sondern auch der Trainerfit …

Dazuhin fehlen mir im Plan die Ausnahmetalente mit kurzer Verweildauer. Das Szenario sehe ich nicht nur wegen der Fragezeichen beim Fit weder bei Bellingham noch bei Cherki derzeit wahrscheinlich – dafür sind sie im Einkauf bereits zu teuer – und mit Gittens verliert man voraussichtlich vorzeitig einen Spieler, dessen Entwicklung meines Erachtens eigentlich noch längst nicht ausgereizt ist, sondern gerade gar stockt.