Zitat von -core-
Zitat von larsbirkoben
Manu Thiele hat auch auch ein Video zur aktuellen Situation gemacht, die einiges ganz gut zusammenfasst, was hier auch hoch und runter bereits diskutiert wurde/wird.
Sehr interessantes Video – Danke für den Link!
An einigen Stellen trifft er sicher einen wunden Punkt, an anderen finde ich allerdings, dass er es sich sehr einfach macht und daher nicht ansatzweise den Kern beschreibt.
Thema Kobel: grundsätzlich bin ich bei ihm, was er zu ihm persönlich sagt, aber eine 3er Kette ist für Kobel kein Schutz im Aufbau. Da zimmert er sich taktisch etwas zusammen, was argumentativ auf extrem wackeligen Beinen steht. Vorrangig deswegen, da wir die quasi ganze Saison mit 3 Mann in der ersten Aufbaureihe aufbauen. Das Problem wird auch nicht besser, nur weil man die 3er Kette ständig fixiert, statt nur im Aufbau. Mehr Spieler hinten, bedeutet schließlich weniger Spieler vorne. Das hat dann wieder mehrere Negativeffekte, indem ein Gegner zwar den Aufbau schwieriger pressen kann, aber dafür hinter dem Ball immer größere Überzahlen herleiten kann und dadurch schwierigere Drucksituationen im Mittelfeld geschaffen werden als auch im Angriff. Die Ballverluste werden also einerseits verlagert und andererseits wahrscheinlicher. Das Verlagern hat dabei nur insofern einen Vorteil, dass man in der Theorie selbst mehr Mann hinter dem Ball behält, wenn man ihn verliert, was praktisch aber nicht zwingend so sein muss. Vor allem dann, wenn die gegnerische Überzahl hinter dem Ball die Anspielstationen komplett rausnimmt, was das eigentliche Kernproblem war.
Denn Kobels fussballerische Probleme sind aktuell eigentlich kaum noch ein Thema, weil man ihn unter Kovac deutlich weniger im Aufbau einbindet. Unter Sahin spielte Kobel noch 41,8 Pässe pro 90 Minuten. Unter Kovac sind es nur noch 28,5. Die Passquote ist quasi identisch, aber der Volumenunterschied bedeutet rund 2 Fehlpässe weniger für das Team vom Torwart. Nur: was bringt es uns? Letztendlich verlagern wir nur die Fehlpässe, um wenigstens Überzahlen hinter dem Ball zu halten. Unter Sahin waren es 90 pro Spiel, von denen 7,4% auf Kobel gingen. Unter Kovac sind es 110 Fehlpässe pro Spiel, von denen nur noch 4,1% auf Kobel gehen. Weniger über Kobel zu spielen, verbessert unser Spiel nicht, da zurückspielen, um den Gegner zu locken, kaum noch versucht wird. Dabei sollte man dann auch nicht nur Kobels Defizite betrachten, sondern vor allem die Ursache, warum überhaupt so viel über Kobel gespielt wurde. Die eigentliche Frage ist schließlich: warum spielen wir so wenig in Drucksituationen rein, sondern versuchten sie primär über den Torhüter zu verringern? Das ist doch schließlich das viel größere Problem.
Wir finden weder unter Druck noch in Unterzahl – kann mit Gegnerdruck sein oder auch ohne, wenn hauptsächlich die Anspielstationen weggenommen werden sollen – genug Lösungen am Ball. Darin liegt das Kernproblem im Aufbau, da bereits der Kette nicht für Vertikalität gesorgt werden kann, die den Ball sicher in den eigenen Reihen hält. Wenn in der Reihe davor der Ballverlust wahrscheinlich ist und zum schnellen Rebound gerät, wird er dort eben nicht reingespielt. Um den Gegner zu bewegen, bleibt dann nur der Pass nach hinten. Das sorgt allerdings dafür, dass der Gegner relativ risikolos zuschieben kann, weil nicht zu viel Qualität nötig ist, um uns am Ball in der Spielverbindung unter Druck zu setzen, weil wir erst recht nicht kontrolliert in eine Drucksituation spielen können, wenn wir es mit besseren Aufbauspielern als Kobel schon nicht machen. Weder haben wir besonders viele Skills, um uns 1gg1 in Drucksituationen nach kurzen Pässen aus dem Aufbau durchzusetzen, noch haben wir auch nur irgendwann in den letzten Jahren eine gute Statik entwickelt, um über die Positionierung der Spieler zueinander taktisch aufzulösen.
Also ist die Idee, dass man den Gegner zum Durchschieben zwingt und daher dann zwingend einen freien Spieler bekommen muss, den der Torwart finden soll/muss, wenn auf ihn durchgepresst wird. Kann Kobel offensichtlich nicht gut genug, sollte aber eben auch nicht ansatzweise Plan A sein. Erst die Notwendigkeit so viel über Kobel zu spielen, machte dessen fussballerische Defizite somit zum Problem, wobei das Grundproblem nicht weg ist, nun da man weniger über Kobel spielt, sondern es ist sogar noch ausgeprägter.
Thema Zentrum: hier trifft er daher den wunden Punkt, aber nur sehr oberflächlich in meinen Augen und ich bin auch nicht mit seiner Einordnung der Spielertypen zufrieden. Vor allem Sabitzer und Nmecha sind eben keine vergleichbaren Spielertypen, trotz ihrer Box-to-Box-Fähigkeiten. Nmecha ist am Ball ein Box-to-Box, Sabitzer abseits vom Ball, womit er Özcan ähnlicher ist als Nmecha. Wobei selbst Nmecha darin zu keiner Zeit darin so gut war, wie man sich das wünschen würde, wenn man daneben entweder mit einem Abräumer ohne strategische Fähigkeiten spielt oder einem Strategen ohne ausreichende Defensivqualitäten. Je nachdem, wer spielt, verändert sich das Rollenprofil des Box-to-Box daneben enorm. Ohne den Strategen muss der Box-to-Box viel mehr Defensivaufgaben übernehmen können und ohne den Abräumer muss der Box-to-Box viel mehr strategische Aufgaben übernehmen, was paradoxerweise beides den Box-to-Box-Aufgaben widerspricht, insbesondere denen am Ball.
Sahins Idee, die effektiv nie zur Umsetzung kam, da er entlassen wurde, bevor das Personal dafür verfügbar war, war es das Thema über einen dritten Spieler zu lösen, der aus der Defensivreihe kommt. Normalerweise würde man das besser über den 10er machen, indem man diesem ein paar 8er Aufgaben übergibt, aber den braucht man dummerweise komplett für die Offensive, weil dort ein Kreativer zu wenig ist, indem man quasi permanent mit 3 Abschlussspielern spielt – Thema für sich. An sich aber auch kein Problem, wenn man es so gemacht hätte, wie es unter Sahin anvisiert war. Hat man nur eben nicht, mangels Personal dafür, indem man keinen LV-ZM hatte und das Prinzip dahinter meines Erachtens von Kovac nur rudimentär erfasst und daher dysfunktional umgesetzt wird. Denn eigentlich werden hier nur Positionen durchgetauscht.
Der Abräumer ist sowieso ein Defensiver, also darf er situativ in die Defensivreihe in den 3er Aufbau abkippen und sich aus dem Aufbau sonst raushalten, damit die Restverteidigung auch bei Ballverlust stabil bleibt. Der LV-ZM ersetzt ihn dafür am Ball und kann dann entweder der Komplementär für den Strategen oder für den Box-to-Box _am Ball_ sein, indem er den einen oder anderen Job übernehmen kann. Je nachdem, welchen Job, wird dann also neben dem Abräumer aufgestellt, damit immer ein Stratege (Groß) und ein Box-to-Box am Ball (Chukwuemeka) oder wenigstens 2 relativ variable Spieler, die von beidem etwas einbringen können (Nmecha und Svensson), auf dem Feld stehen. Ist nur zu keinem Zeitpunkt dieser Saison effektiv so geschehen. Zunächst wegen nicht vorhandenem Personal und aktuell wegen Verletzungen. Allerdings steht auch zu befürchten, dass es auch trainerseitig nun scheitert, weil die Grundstruktur der anvisierten Lösung ungewöhnlich und nicht völlig unkomplex in der Umsetzung ist. Nicht nur personell bedingt, indem Spielerprofile fein genug den Rollen entsprechen müssen.
Was übrigens bei einem Box-to-Box abseits vom Ball in meinen Augen gar nicht der Fall ist. Ein Box-to-Box abseits vom Ball macht in meinen Augen ansonsten nur Sinn, wenn er Lücken füllt, die den Abräumer unnötig machen, damit dafür der Stratege spielen kann. Dafür ist Groß als einziger Stratege aber nicht mehr schnell genug, um defensiv stabil genug zu sein. Außerdem dürfte es keinen 10er daneben geben, sondern einen Box-to-Box am Ball, also einen weiteren 8er, damit der Box-to-Box abseits vom Ball sowohl die Lücken des Strategen als auch des Box-to-Box am Ball stopft. Das verhindert mangelnde Kreativität der Offensive, weswegen man eben einen Defensiven ins Mittelfeld ziehen wollte, wenn dort sowieso schon ein Verteidiger eingeplant ist und der 10er nicht für den Ballvortrag geopfert werden darf. Damit man den 10er für das Mittelfeld « zurückbekommt », ohne vorne auf etwas verzichten zu müssen, müsste man vorne also auch kreativer werden und dafür auf einen Abschlussspieler verzichten.
Thema Positionsfremde: das Thema ist in meinen Augen purer Unsinn, weil es immer um Rollen geht und nicht um Positionen. So kann man auch 3 Angreifer realtaktisch als Doppelspitze anordnen. Es muss eben nur ein OA enger zum nominellen MS als Abschlussspieler positioniert werden. Man kann aber nicht 3 Stürmer als Doppelspitze anordnen, die allesamt nicht besonders gut füreinander kreieren können, sondern bestenfalls für sich selbst, weil Abschlussspieler in der Funktion nun mal bedeutet, dass da nicht viel Raum für Kreation ist, da es hauptsächlich um die Verwertung von Chancen gehen soll. Dafür müssen aber Chancen herausgespielt werden und es gibt nicht umsonst den Spruch « 2 is company, 3 is a crowd ».
Es ist grundsätzlich eher einer zu viel an Abschlussspielern und eben einer zu wenig bei den Kreativen, es sei denn, man hätte die Spielverbindung hinbekommen und darüber kreativ ausreichend unterstützt, damit es genug Abschlüsse für 3 Abschlussspieler gibt, statt nur für 2. Aufbau und Spielverbindung hätten also von Saisonbeginn an viel besser funktionieren müssen. Dazu gibt es noch das Thema Breitengeber, bei dem mindestens auf einer Seite der AV dem OA konstant erlauben muss einzurücken, als eben zweite Spitze, was noch am ehesten mit der Position zu tun hat, aber eben nichts mit einer fixen Doppelspitze. War und ist alles nicht der Fall, worunter die Offensiven logischerweise leiden, weil nun MS als klassische OA verwendet, statt als Abschlussspieler, die sie sind, was das eigentliche Kriterium ist und nicht die Position.
Wobei Kovac auch hier den Schwerpunkt, wie Chancen herausgearbeitet werden, extrem verändert hat. Man könnte sagen, dass er es einfacher macht, weil mehr geflankt und mehr vertikal gespielt wird, aber unterm Strich bedeutet das meines Erachtens weniger Kontrolle in Sachen Chancenqualität und -verwertung ausübt und eben auch mehr Ballverluste riskiert, die dem Gegner mehr Chancen für gefährliche Angriffe einräumen. Da wir derzeit in der Restverteidigung dann auch nur noch selten 3 gute Mann für die Restverteidigung haben, sondern hier auf 2 reduziert haben, ist diese konsequenterweise nicht zuverlässig in Kombination mit mehr Ballverlusten.
Das aber nur als Anmerkung, da es ja um das Thema Positionsfremde gehen soll. Das ist wie gesagt im Kern so nicht richtig, weil es vielmehr darum geht, ob Spieler in Rollen eingesetzt werden, die sie mit ihren Fähigkeiten erfüllen können. Die Position bzw. die Räume, die sie dafür besetzen, das ist nur sekundär. So kann ein Spieler in den von ihn geliebten Positionen und Räumen aufgestellt werden, aber bringt die Rolle Aufgaben und Funktionen mit sich, die der Spieler nicht beherrscht, spielt es keine Rolle. Genau hierin liegt das Kernproblem, weil sich beinahe in jedem Spiel, als Folge des auslösenden Problems in der Spielverbindung, immer mehr Rollen Aufgaben erhalten haben, die sie effektiv nicht übernehmen können. Ich kann bspw. von Can eben keine strategischen Kompetenzen erwarten, sondern muss sichergehen, dass andere Spieler das für ihn übernehmen, wofür er im Sinne der Arbeitsteilung deren Defizite auffängt. Also synergetische Effekte. Ich kann auch von Groß nicht erwarten, dass er zum dynamischen Spielverbinder mutiert oder von Bensebaini, dass er diesen Job übernimmt oder wenigstens im Aufbau strategisch mehr einbringt. Ich kann auch von Couto nicht erwarten, dass er einen RV-IV gibt oder von Beier und Adeyemi, dass sie kreative Breitengeber sein sollen. Usw.. Es geht nicht, weil dabei Limitationen bestehen, die nur ganz am Rande mit der Position zu tun haben, da das Thema viel größer ist.
Am Ende fehlt daher immer irgendetwas, was für eine stabile Synergie zwingend notwendig ist. Es findet sich immer eine Aufgabe, die unerledigt bleibt, weil sie keiner ausreichend erledigen kann. Oft sogar nicht nur eine. Selbst wenn alle Spieler auf ihrer normalerweise besten Position spielen. Mal hat man nur Glück, dass es nicht so relevant ist, weil der Gegner es nicht ausreichend prüfen kann. Im Prinzip ist ein Spiel schließlich auch nichts anderes als eine Klausur und manche sind dabei einfacher als andere, selbst wenn man schlechter gelernt hat als bei der schweren Klausur zuletzt. Daraus resultiert letzten Endes auch die Inkonstanz, weil man sowohl für die leichten als auch für die schweren Klausuren meistens sehr schlecht vorbereitet ist, obwohl es nicht an den Kapazitäten mangelt, um prinzipiell jede Klausur positiv zu bestreiten.
Thema Zukunft: aus all diesen Gründen ist der Vorschlag mit der 3er Kette auch keine realistische Lösung. Denn hierbei bleiben immer noch grobe Probleme bestehen. Allen voran fehlt eben weiterhin der zweite Kreative vorne, damit die Restverteidigung mit dem 3. IV vielleicht stabil genug ist, um sich Nmecha als vollwertigen Box-to-Box am Ball leisten zu können. Dazu ist Ryerson kein Breitengeber, schon gar nichts links. Unabhängig von individuellen Fragezeichen besteht daher also auch so wieder genug Ballast, der alles eskalieren lassen kann, weswegen wir das Ganze so oder sehr ähnlich eben auch schon scheitern sahen. Der Kader, so wie er ist, ist nun mal für das eine System geschaffen worden, das wir effektiv nie mit dem richtigen Personal umgesetzt haben und unter Kovac nicht mehr zu erwarten haben. Entsprechend ist das Zukunftsthema meines Erachtens dann auch zwangsläufig, wie man einen Kader hinstellt, bei dem nicht nur ein sehr spezielles System, für das man nicht mal eine Trainer hat, möglich ist. Es ist aber kein Thema mehr für diese Saison. Es wird kurzfristig realistischerweise keine Lösung oder Wunderheilung und daher auch keine Konstanz zu erwarten geben. Es geht nur noch um die Vorschau für die nächste Saison, wer bleibt und wer nicht …