Heidenheims Kevin Müller: „Wie kommst du an dieses eine Bundesliga-Spiel?“

Heidenheims Kevin Müller: „Wie kommst du an dieses eine Bundesliga-Spiel?“

Torwart im TM-Interview 

Heidenheims Kevin Müller: „Wie kommst du an dieses eine Bundesliga-Spiel?“

©IMAGO

Kevin Müller ist vom 1. FC Heidenheim kaum noch wegzudenken. Und dennoch wurde vor rund einem halben Jahr über seinen Abschied spekuliert. Weshalb es nicht dazu kam und er verlängerte, verrät der Keeper im Transfermarkt-Interview. Darüber hinaus spricht der 34-Jährige über seinen schlimmen Zusammenprall, seinen Sohn als möglichen Nachfolger, seine USA-Affinität, modernes Torwartspiel und seine enge Freundschaft zu Tim Kleindienst.

Transfermarkt: Herr Müller, was hat Ihnen mehr Kopfschmerzen bereitet: der heftige Zusammenprall mit Bochums Ibrahima Sissoko am 2. Mai einschließlich Gehirnerschütterung oder die enge Bundesliga-Relegation gegen Elversberg?

Kevin Müller: Erst einmal bin ich froh, dass ich die Relegation wieder bewusst wahrnehmen durfte. Quasi mit Start der zweiten Halbzeit des Bochum-Spiels hatte ich einen Gedächtnisverlust. Von daher hatte ich weder Schmerzempfinden noch irgendwelche Erinnerungen an diesen krassen Zusammenprall. Deshalb war das erfolgreiche Abschneiden in der Relegation für mich deutlich präsenter und ein Grund dafür, dass ich unbedingt wieder spielen wollte.

Transfermarkt: Die Bilder sahen übel aus. Es war zunächst nicht abzusehen, dass Sie so schnell auf den Platz zurückkehren würden.

Müller: Das Komische an der Situation war: Erst am nächsten Tag im Krankenhaus habe ich bewusst alles wahrgenommen. In der ersten Phase hatte ich krasse Wahrnehmungsstörungen, vor meinen Augen war sehr vieles verschwommen. Ich habe sehr viele Nachrichten bekommen, die Anteilnahme war extrem groß, was mich mega gefreut hat. Dafür bin ich sehr dankbar. Das ist schöner, als wenn es den Leuten egal gewesen wäre. Für meine Frau und meinen Sohn war die Situation natürlich nicht alltäglich. Ich selbst habe die Szene erst zwei Wochen später gesehen, weil mich interessiert hat, was überhaupt passiert war.

Ausgeknockt: Heidenheims Torhüter Kevin Müller musste beim 0:0 gegen Bochum (2. Mai) nach einem Zusammenprall mit Ibrahima Sissoko mit einer Trage vom Platz

Ausgeknockt: Heidenheims Torhüter Kevin Müller musste beim 0:0 gegen Bochum (2. Mai) nach einem Zusammenprall mit Ibrahima Sissoko mit einer Trage vom Platz

Heidenheim-Torwart Müller hat manchmal noch einen steifen Nacken

Transfermarkt: Spüren Sie noch Nachwirkungen?

Müller: Ich habe nachts, wenn ich mich hinlege, manchmal noch einen steifen Nacken. Aber von der Belastung war und ist alles okay, sonst hätte ich auch nicht gespielt. Es gibt auch ein festes Protokoll der DFL, das nach solchen Verletzungen eingehalten werden muss. Da wird man Schritt für Schritt an die Belastung herangeführt und getestet. Aber unabhängig davon habe ich dem Trainer gesagt: Das funktioniert nur, wenn ich zu 100 Prozent fit bin. Das bin ich der Mannschaft, dem Verein, meiner Familie und mir selbst schuldig. Zum Glück hat es geklappt.

Transfermarkt: Haben Sie zwischenzeitlich gegen Elversberg auch mal gedacht: Das könnte schiefgehen…?

Müller: Wir haben definitiv immer an uns geglaubt. Elversberg hat eine sehr gute Saison gespielt und ist eine offensivstarke Mannschaft. Genau so, wie wir sie analysiert haben, sind sie aufgetreten. Beide Teams haben bis zur letzten Minute verbissen alles gegeben. Ich bin megafroh und auch stolz auf uns als Mannschaft, dass wir das nach einem solchen Jahr mit vielen Auf und Abs am Ende noch gewuppt haben. Wir haben immer gesagt: Für uns zählt nur der Klassenerhalt. Und das haben wir geschafft.

Transfermarkt: Ihr Sohn ist als Torwart in der Heidenheimer U14 aktiv, auf Ihren sozialen Kanälen messen Sie sich mit ihm beim Elfmeter- und Lattenschießen. Wie würden Sie Ihre Beziehung beschreiben?

Müller: In erster Linie ist er mein Sohn. Ich habe zu ihm gesagt: ‚Wir unterstützen dich bei allem, was du machen möchtest. Wenn dein Traum Fußballprofi ist, dann werden wir dich dabei unterstützen.‘ Aber ich kann und möchte nicht sein Trainer sein, dafür gibt es andere. Wenn er Rat braucht oder mal unsicher ist, kann er mich immer fragen. Aber ich werde mich nie hinstellen und sagen: ‚Du musst es so und so machen.‘ Der Weg ist anstrengend und geht mit 13, 14, 15 richtig los und ist auch nicht immer leicht. Viele sehen nur, was am Ende herausgekommen ist und meinen: ‚Ihr Fußballprofis habt doch so ein tolles Leben.‘ Das ist auch so, wir sind absolut privilegiert. Aber es ist für die meisten trotzdem ein langer und anstrengender Weg dorthin, du benötigst auch viel Glück. Bei diesen Nebengeräuschen versuche ich ihn zu unterstützen. Ansonsten bin ich Papa und Fan von ihm. In alle Fußballkabinen dieser Welt konnte ich ihn ein bisschen mitnehmen. Und mit jedem Jahr, das er älter wird, ist er auch irgendwie ein Freund, schließlich haben wir die gleichen Interessen. Das ist total schön. Die Zeit mit ihm genieße ich extrem. Und ich hoffe, er mit mir auch. (lacht)

Transfermarkt: Sie halten noch ein paar Jahre durch und Ihr Sohn fliegt nach Ihrem Karriereende durchs Heidenheim-Tor – klingt das völlig abwegig? 

Müller: (lacht) Das ist tatsächlich nicht mehr so lange hin. Das ist eine coole Vorstellung, da bin ich ganz ehrlich. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich noch nie darüber nachgedacht hätte. Das wäre natürlich eine Megageschichte für uns beide.  Aber in erster Linie soll er seinen eigenen Weg gehen.

Warum soll ich etwas verändern, wenn es funktioniert und man damit erfolgreich ist?

Transfermarkt: Sie sind inzwischen der dienstälteste Profi an der Brenz. Warum hat es Sie in all den Jahren nie weggezogen?

Müller: Ich fühle mich mit meiner Familie hier enorm wohl. Und zur Wahrheit gehört auch, dass wir eigentlich stets erfolgreich waren. Das ist eine Grundvoraussetzung im Fußball. Sonst werden relativ schnell Entscheidungen getroffen, die man im Nachhinein bedauert. Der ganze Verein lebt Kontinuität vor. Und warum soll ich etwas verändern, wenn es funktioniert und man damit erfolgreich ist? Es gab keine großartigen Gründe, einen Wechsel zu forcieren.

Transfermarkt: Im vergangenen Januar haben Sie Ihren auslaufenden Vertrag erneut bis 2027 verlängert. Dabei hieß es lange, dass die Gespräche mit Heidenheim stocken, weil Sie sich einen Wechsel ins Ausland vorstellen können. Wie sah Ihr Entscheidungsprozess genau aus?

Müller gibt Einblick in Vertragsgespräche mit 1. FC Heidenheim

Müller: Zu einer Verhandlung müssen beide Parteien bereit sein. Im November und Dezember lief es sportlich relativ schlecht, da haben gar keine Gespräche stattgefunden. Das war auch verständlich, weil der Verein schauen wollte, wie es weitergeht. Ein ganz handelsüblicher Vorgang. Dann haben wir uns zusammengesetzt und die gegenseitigen Vorstellungen ausgetauscht. Es gab nicht direkt einen Konsens, was völlig normal ist. Von daher sind wir weiter in Kontakt geblieben. Dass beide Seiten dann vielleicht nach möglichen Alternativen schauen, ist auch normal. Vom Verein wäre es fahrlässig gewesen, sich nicht umzuschauen. Und bei mir war es das Gleiche. Aber ich hatte am Ende das Gefühl, der Verein will definitiv mit mir weitermachen. Und umgekehrt galt das Gleiche. Deswegen haben wir dann doch relativ schnell eine Entscheidung getroffen, auch um zu dem Zeitpunkt ein positives Zeichen zu setzen. Dazu stehe ich, daran hat sich nichts geändert. Und es ist gut ausgegangen, also haben wir alles richtig gemacht.

Transfermarkt: „fchmk1846“ schrieb im Heidenheim-Forum bei TM zwinkernd: „Bei aller Freude: Die Verlängerung heißt ja nicht gleich auch, dass er über den Sommer hinaus bleibt.“ Gibt es ein Szenario, bei dem Sie im Sommer doch weg sein könnten?

Müller: Aktuell gibt es nichts, was darauf hinweisen würde. Wie gesagt: Ich fühle mich hier in Heidenheim sehr wohl. Sportlich und privat. Aber ich habe auch gelernt, dass man im Fußball nichts ausschließen sollte. Einige Kollegen haben so etwas in der Vergangenheit plakativ ausgeschlossen und ein paar Wochen oder Monate später mussten sie zurückrudern. Ich weiß nicht, was passiert, und kann nicht in die Glaskugel schauen.

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Danke Mü! Das ist Vereinstreue. Und wenn du dich für etwas neues entschieden hättest, wäre das zwar ein tränenreicher aber dennoch ganz toller Abschied geworden. Anstand und Haltung sind entscheidend – überall im Leben. Da kann sich z.B. ein Neu-Mainzer ein paar ganz dicke Scheiben abschneiden! …

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Transfermarkt: Was würde Sie denn konkret reizen?

Müller: In meinen Augen gibt es fast nur zwei Sachen, die für mich persönlich, mit meinem sportlichen Anforderungsprofil und mit Blick auf unser Familienleben überhaupt in Frage kommen würden: England und die MLS. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein riesiger USA-Fan bin. Aber das ist viel Theorie und ich spreche ungern über ungelegte Eier. Ich weiß, was ich an Heidenheim habe. Ich weiß das Vertrauen hier sehr zu schätzen.

Transfermarkt: Die Antwort MLS kam nicht überraschend. Was macht Sie zum USA-Fan?

Müller: Ich bin großer Fan der amerikanischen Sportarten – egal ob Football, Eishockey, Basketball oder Baseball. Das gucke ich alles extrem gerne. Ich schätze auch die Lebenshaltung, dass das Glas eher halbvoll ist. Die Menschen sind ein bisschen offener, ich mag es, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich bin einfach gerne vor Ort. Schon sechs oder sieben Mal war das der Fall. Deswegen sind die USA definitiv ein Ziel für die Zukunft, entweder als aktiver Profi oder danach, um zu schauen, ob man mit dem Leben dort zurechtkommt. Das möchte ich irgendwann realisieren.

Transfermarkt: Ausgebildet wurden Sie bei Hansa Rostock, über den VfB Stuttgart II und Energie Cottbus ging es 2015 nach Heidenheim. War das ein Kulturschock oder kam alles wie erwartet?

Müller: Ich bin als klare Nummer 2 und Herausforderer hergekommen. In der zweiten Saison gab es einen fairen Wettkampf, ich konnte mich zeigen und mich mit Heidenheim sukzessive weiterentwickeln. Vor drei, vier Jahren dachte ich: Scheiße, wie kommst du an dieses eine verflixte Bundesliga-Spiel ran? Und jetzt habe ich die Gelegenheit, wenn alles klappt und ich fit bleibe, am Ende der nächsten Saison mein 100. Bundesliga-Spiel zu machen. Ich durfte international spielen. Rückblickend hätte es nicht besser laufen können. Dieses ‚Was wäre, wenn?‘ macht einen ohnehin nur müde und raubt Energie. Die Zeit kann niemand von uns zurückdrehen. Für mich und uns als Familie war es damals die richtige Entscheidung, auch wenn man das erst hinterher weiß. Es war bisher eine tolle Zeit und hat die Erwartungen sogar übertroffen.

Müller wollte eigentlich zum MSV Duisburg und nicht nach Heidenheim

Transfermarkt: Stimmt es, dass Sie 2015 eigentlich als Nummer 1 zum MSV Duisburg gehen wollten, sich dann aber aus der Not heraus Heidenheim angeschlossen haben?

Müller: (lacht) Absolut. Ich hatte zwei Angebote vorliegen – von Heidenheim und vom MSV – und es war keine Zukunft für mich beim VfB Stuttgart vorgesehen, was vollkommen in Ordnung war. Ich hätte mir auch gut vorstellen können, nach meiner Leihe in Cottbus zu bleiben. Ich wäre sehr gerne zum MSV gekommen, Ivica Grlic (damaliger Sportdirektor; d. Red.) kann das sicher bestätigen. Dort hat man eine klare Nummer 1 gesucht, als diese sollte ich verpflichtet werden. Aber ich habe keine Rückmeldung mehr bekommen.

Transfermarkt: Es hat sich niemand mehr gemeldet?

Müller: Genau. Aber so läuft es bei Verhandlungen öfter, dass sich eine Seite nicht mehr unbedingt bemüht. Ich musste dann eine Entscheidung treffen und die Gespräche mit Trainer Frank Schmidt und Holger Sanwald (Vorstandschef; d. Red.) waren sehr positiv. Sie haben von Beginn an transparent gesagt, dass sie erstmal nur eine Nummer 2 suchen, die Druck von hinten macht. Ich glaube nicht so recht ans Schicksal und denke, dass jeder seines Glückes selbst Schmied ist. Ich vergesse nicht, woher ich komme. Viele haben in Rostock gesagt, selbst die 3. Liga sei zu hoch für mich. Deswegen freut’s mich umso mehr, dass ich es mir selbst mit harter Arbeit bewiesen habe. Es gab auch mal Tränen und schwere Zeiten, keine Frage. Aber ich bin drangeblieben, bin megastolz darauf. Und die Reise ist noch nicht zu Ende.

Kevin Müller stand für den 1. FC Heidenheim 330-mal zwischen den Pfosten, kassierte 452 Gegentore und behielt 98-mal eine Weiße Weste

Kevin Müller stand für den 1. FC Heidenheim 330-mal zwischen den Pfosten, kassierte 452 Gegentore und behielt 98-mal eine Weiße Weste

Transfermarkt: Sie haben Oliver Kahn als Vorbild bezeichnet, ein Keeper der alten Schule mit unfassbaren Paraden, Mentalität und Willen. Was halten Sie selbst vom modernen Torwartspiel? Ist es berechtigt, dass der Keeper von heute mehr als elfter Feldspieler herhalten muss?

Müller: Es kommt sehr auf die Philosophie des Trainers und des Vereins an und darauf, wie viel Risiko im Spielaufbau gegangen werden soll. Ich kann mich einigermaßen gut einschätzen und weiß, in welche Richtung ich besser passe. In erster Linie ist es deine Aufgabe als Torwart, Bälle zu halten – und damit meine ich gar nicht mal die unhaltbaren. Aber natürlich gehört es dazu, ein wenig mit dem Ball umgehen zu können und nicht jeden ins Aus zu knallen. Davor möchte ich mich nicht verschließen. Ich finde es bewundernswert, wie manche Torhüter hinten herausspielen. Über Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen brauchen wir nicht sprechen, das ist beeindruckend und vor ihnen ziehe ich den Hut. Aber sie sind auch im klassischen Torwartspiel sehr gut. Das darf nicht vergessen werden. Ich finde, es braucht eine gute Balance.

Transfermarkt: Heidenheims erstes Bundesliga-Jahr verlief phänomenal mit der Qualifikation für die UEFA Conference League, die Saison 2024/25 wurde hingegen zum puren Überlebenskampf in der 1. Liga. 2025/26 sind die großen Traditionsklubs HSV und 1. FC Köln wieder erstklassig. Was wird für den 1. FC Heidenheim in Zukunft Maßstab und Normalität sein können?

Müller: Es geht ganz eindeutig wieder um den Klassenerhalt, das steht an oberster Stelle. Das ist weiter unser Anspruch. Dass das zweite Jahr schwieriger wird, war von vornherein klar. Von außen dachte man: die spielen international und kriegen das schon irgendwie hin. Aber man hat gesehen, wie schnell es gehen kann und wie hochwertig die Bundesliga ist. Du musst Woche für Woche an dein Limit kommen. Langfristig gesehen möchten wir so lange wie möglich Bundesliga spielen, aber das musst du Jahr für Jahr unter Beweis stellen.

Transfermarkt: Von Beginn an ist in Heidenheim der ewige Frank Schmidt Ihr Trainer. Ole Werner, inzwischen nicht mehr bei Werder Bremen im Amt, war der Auffassung: „Wenn man da immer wieder neue Energie schaffen möchte, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder es müssen sich um einen Trainer herum Dinge verändern, oder irgendwann ist es an dem Punkt, wo es für alle gut ist, wenn sich auf der Position des Trainers etwas tut.“ Wie gelingt dieser Spagat beim FCH?  

Müller: Wir schaffen es Jahr für Jahr, einen gewissen Stamm an Spielern zu behalten, dadurch fällt die Integration von Neuzugängen leichter. Und jeder weiß in schwierigen Situationen, was zu tun ist. Ich denke schon, dass Ole Werner durchaus Recht hat. Man muss sich ein Stück weit neu erfinden und für neues Personal sorgen. In Heidenheim ist klar, dass das nur innerhalb der Mannschaft passiert, der Trainer steht nicht zur Debatte. Er hat mit uns Erfolg und deswegen gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Auch Spieler profitieren von dieser Kontinuität. Was wir zusammen geschaffen haben, ist besonders und einzigartig.

Selbst seine Frau ist verwundert: Müller über die Freundschaft mit Kleindienst

Transfermarkt: Sie und Nationalstürmer Tim Kleindienst sind beste Freunde, kennen sich seit Ihrer gemeinsamen Zeit in Cottbus. Was geht Ihnen beim jeweils anderen denn trotzdem auf den Senkel?

Müller: (lacht) Tim ist Familie. Er ist einer, auf den ich mich stets verlassen kann, und er kann sich immer auf mich verlassen. Das ist etwas ganz Besonderes, er hat einen großen Platz in meinem Herzen. Wir kennen uns mittlerweile so lange, waren schon öfter zusammen im Urlaub. 90 Prozent der Sätze könnte der jeweils andere beenden. Meine Frau fragte mich schon, ob wir uns denn nicht mal auf den Sack gehen und streiten? Ich muss zugeben: Ich kann mich nicht an eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm erinnern. Sonst würden wir es nicht so lange miteinander aushalten. Das Einzige, was mich bei Tim nervt: Er denkt, dass der Torwart eine einfache Position ist und er das auch könnte. Ich hoffe, dass es irgendwann dazu kommt, dass er sich reinstellt und ich ihm zehn Bälle aufs Tor rotze. Dann sieht er, dass es vielleicht doch nicht so leicht ist. (schmunzelt)

Transfermarkt: Was schätzen Kleindienst und Ihre Teamkollegen an Ihnen?

Müller: Das müssen eigentlich die anderen gefragt werden. (schmunzelt) Eigenlob stinkt bekanntlich. Ich hoffe, dass ich ein umgänglicher Mensch bin. Die Welt ist schon ernst genug, deswegen sind bei mir 95 Prozent auf Spaß ausgelegt und ich nehme mich selbst nicht zu ernst.

Ein Herz und eine Seele: Gladbachs Nationalstürmer Tim Kleindienst und Heidenheim-Keeper Kevin Müller

Ein Herz und eine Seele: Gladbachs Nationalstürmer Tim Kleindienst und Heidenheim-Keeper Kevin Müller

Transfermarkt: Wie wird Ihr Leben nach dem Karriereende aussehen?

Müller: Ich glaube, ich werde dem Sport in irgendeiner Weise erhalten bleiben. Ob das auf Vereinsebene ist, weiß ich nicht. Auch da möchte ich nichts ausschließen und bin offen für alles. Natürlich mache ich mir in viele Richtungen Gedanken und sperre die Ohren auf. Das Schöne am Fußball ist, dass man unfassbar viele Menschen jeder Couleur kennenlernt. Mit dem Alter fange ich an, mir Gedanken zu machen: Was könnte dir Spaß bereiten und welcher Kontakt wäre für später interessant? Aber ich habe noch nichts Spezielles vor Augen. Aber das hat auch noch ein wenig Zeit: Aktuell konzentriere ich mich zu 100 Prozent auf meine aktive Karriere. Und Torhüter können ja auch noch ein wenig länger spielen als Feldspieler…

Interview: Philipp Marquardt