Erst Klopp, Rangnick und Tuchel. Jetzt Fabian Hürzeler (Brighton) oder Daniel Farke (Leeds). Deutsche Trainer haben in England Konjunktur. Unterm Radar fliegt Danny Röhl (36). Der ehemalige Co-Trainer von Hansi Flick (60) gewann 2020 mit dem FC Bayern die Champions-League-Sieger – und hat mit dem klammen Sheffield Wednesday eine krasse Erfolgsgeschichte geschrieben.
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BILD: Sie hätten sich neben dem Champions-League-Pokal und der Meister-Schale vor ein paar Tagen auch die Meister-Trophäe in Spanien in die Vitrine stellen können. Warum haben Sie nicht abgewartet und sind letzten Sommer Hansi Flick nach Barcelona gefolgt?
Röhl: „Bei mir war das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, den nächsten Schritt zu gehen. Ich wollte nach meiner Zeit beim DFB wieder jeden Tag mit einer Mannschaft arbeiten. Sheffield Wednesday hatte schon im Sommer 2023 angefragt, da stand ich auf der Shortlist. Später sind sie dann noch mal auf mich zugekommen. Klar: Hansi hat ein unfassbares Team zusammengestellt, er ist wieder so erfolgreich wie in München. Aber ich fühle mich jetzt sehr wohl als Cheftrainer.“
Der Klub war damals Lichtjahre vom Klassenerhalt entfernt. Wednesday mit 3 Punkten Letzter. Und hatte in zwölf Spielen nicht einmal gewonnen…
„So etwas schreckt mich nicht, ich wollte etwas aufbauen. Deshalb bin ich dankbar, dass mir der Verein und der Besitzer die Chance gegeben haben, zu zeigen, was ich kann. In den 35 verbleibenden Spielen haben wir dann insgesamt 53 Punkte geholt – und sind dringeblieben. Das war sensationell – und eine historische Saison!“
Wie hart war der Aufprall von der Wohlfühloase DFB-Nationalelf in den Abstiegskampf der 2. englischen Liga?
„Es war einfach eine komplett andere Herausforderung. In Leipzig, in München oder bei der Nationalmannschaft spielst du von der Spitze weg. Es geht immer darum, etwas zu gewinnen. In der Situation hier hat mir aber die Erfahrung aus Southampton geholfen, als wir damals mit Ralph Hasenhüttl gegen den Abstieg gespielt haben. Ich war überzeugt, dass ich an Stellschrauben drehen kann. Es ist wichtig, dass man immer wieder nachjustiert und das Bestmögliche aus den Spielern herausholt.“
Danny Röhl arbeitete beim FC Bayern und bei der Nationalelf vier Jahre an der Seite von Hansi Flick
Foto: Federico Gambarini/dpa
Wo haben Sie angesetzt?
„Zuerst waren Ballbesitz und die Torchancen wichtig. Die Ballbesitz-Quote lag bei 25 Prozent. Torchancen gab es kaum. Wir haben dann deutlich mutiger Fußball gespielt, weniger abgewartet.“
Mit Wednesday und United gibt es zwei Zweitliga-Klubs in der Stadt. Wie heftig ist die Rivalität? So wie zwischen Dortmund und Schalke?
„Die Rivalität ist schon sehr, sehr groß. Man gönnt sich nix auf beiden Seiten. Aber trotzdem ist da ein gewisser Respekt da. Es gibt die Blauen und die Roten in der Stadt – und wenn Derby ist, dann redet jeder davon. Aber Gewalt oder richtige Feindseligkeit gibt es zum Glück nicht.“
Was verdienen Spieler in der Championship? Bis zu 20000 Pfund pro Woche sollen drin sein…
„Das Grundgehalt ist ordentlich, das ist schon ein gutes deutsches Zweitliganiveau, wenn nicht sogar Bundesliga-Niveau. Aber dann klafft trotzdem noch mal eine große Lücke, wenn man sich allein die Marktwerte anschaut. Es gibt Teams mit 140 Mio. Marktwert, die gibt es auch in der Bundesliga. Wir haben durch zwei Leihspieler unseren Gesamt-Marktwert von 20 auf 35 Mio. Euro gesteigert. Das sagt viel…“
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Quelle: bild07.06.2025
Rangnick, Hasenhüttl oder Flick – welcher Cheftrainer hat den größten Einfluss auf das, was Sie jetzt spielen lassen?
„Von Ralf Rangnick ist es die Aktivität und der Umschaltmoment inklusive des Pressings. Ralph Hasenhüttl gilt ja als Menschenfänger – von ihm habe die Emotionen mitgenommen. Und von Hansi habe ich viel in Menschenführung und Kommunikation gelernt. Aber am Ende habe ich in den letzten zehn Jahren vor allem meine eigenen Ideen als Trainer weiterentwickelt.“
Mit welchem Trainer würden sie gern arbeiten?
„Es muss ja nicht unbedingt ein Trainer sein. Auch ein Sportdirektor oder ein Head of Global Soccer kann dich weiterbringen. Aber klar, einige Trainer sind schon besonders. Julian Nagelsmann war immer eine Inspiration für mich.“
Der Gewinn der Champions League war ihr größter Erfolg. Das WM-Desaster 2022 die schlimmste Niederlage – die medial durch die Graugänse nachgehallt hat. Wie sehr ärgert Sie das Turnier noch?
„Es war wirklich krass. Du bereitest dich vor, willst das Maximum – und nach drei Spielen ist plötzlich alles vorbei. Du fliegst zurück, gehst am nächsten Tag normal einkaufen, hast diesen heftigen Cut – und kannst nichts mehr reparieren. Das ist die große Herausforderung mit der Nationalmannschaft: Das ganze Land steht geschlossen hinter dir oder kritisiert dich maximal. Die Enttäuschung war bei uns allen groß! Im Endeffekt hat aber Hansi damals besonders viel einstecken müssen.“
Danny Röhl empfing BILD-Reporter Stefan Krause im Trainerzimmer des Hillsborough-Stadium von Sheffield
Foto: Steve Ellis
Als Co-Trainer waren sie in der Premier League, haben die Champions League gewonnen. Wann kommen sie als Chefcoach in die Bundesliga?
„Wenn es nach mir geht, so schnell wie möglich. Die Bundesliga ist natürlich schon etwas Besonderes, weil ich damit groß geworden bin. Für mich geht es immer darum, auf höchstem Niveau zu arbeiten. Ich möchte mich mit den besten Teams messen, mit den besten Trainern. Ich habe das gute Gefühl, dass ich in den letzten 18,19 Monaten in einer anspruchsvollen Liga, mit sehr unterschiedlichen Spielstilen, einen großen Mehrwert generieren konnte.“
RB Leipzig soll sie auf der Shortlist gehabt, Jürgen Klopp ein Auge auf sie geworfen haben…
„Natürlich wirst du verfolgt als RB-Trainer, gerade, wenn du für eine gewisse Spielidee stehst. Was Jürgen Klopp betrifft: Ich habe ihn im Rahmen meiner Fußballlehrer-Lizenz kennengelernt, als wir eine Woche in Liverpool waren. Leipzig, die Bundesliga – das ist natürlich schon ein Paket, was schon etwas Besonderes wäre. Zumal ich den Aufbau des Klubs von der Stunde Null an miterlebt habe. Wir haben damals im Nachwuchs mit vier Mitarbeitern angefangen…“
Noch mal gefragt: Gab es konkreten Kontakt mit RB?
„Dazu möchte ich nichts sagen.“
Die Premier-League-Absteiger Leicester und Southampton sollen auch an Ihnen interessiert sein, zudem West Bromwich. Zuletzt hieß es auch der VfL Wolfsburg…
„Ich sehe das Interesse von Clubs als Bestätigung meiner Arbeit. Es gab auch letztes Jahr schon Anfragen, auch aus Deutschland, aus der Bundesliga. Es fühlt sich gut an, dass mein Name sowohl hier in England als auch in Deutschland immer wieder genannt wird. Ich weiß aber auch, dass Fußball schnelllebig ist. Die letzten 18, 19 Monate sind kein Grund, um sich auszuruhen. Ich bleibe weiter sehr, sehr ambitioniert. Und ich bin immer bereit, hart zu arbeiten. Wir werden sehen, was im Sommer passiert.“
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Wie wird in England eigentlich der Wechsel von Jürgen Klopp zu Red Bull gesehen?
„Die Engländer sind offener, was Investoren betrifft. Oder eben auch für einen Job wie den „Head of Global Soccer“. Jürgen Klopp ist eine Legende in England. Und viele denken, dass das ein Super-Move von Red Bull war – der sie noch stärker macht. Ich bin sicher, die Menschen hier akzeptieren eher die Rolle von Klopp als Mastermind, als wenn Jürgen noch mal bei den anderen Klubs als Trainer arbeiten würde.“
Timo Werner wurde von den Fans und den Medien in England verhöhnt. Haben sie Mitleid mit ihm?
„Mitleid ist das falsche Wort. Ich finde es manchmal schade, dass ihm nicht der Respekt gezollt wird, den er verdient hat. Er hat unfassbare Qualitäten, er hat einiges gewonnen wie die Champions League mit Chelsea. Timo ist ein besonderer Spieler und ich wünsche ihm einfach, dass er noch mal ein, zwei gute Jahre hat, in denen er den Fußball richtig genießen kann. Und vielleicht nicht immer so kritisch gesehen wird.“
Das heißt, Sie würden ihn in Ihr Team holen?
„Ja. Timo hat Waffen wie seine Schnelligkeit. Er hat immer etwas Besonderes gehabt. Ich glaube, er braucht einfach das richtige Umfeld, um seine volle Leistungsfähigkeit abzurufen.“