Die Würfel sind gefallen!
Am vergangenen Donnerstag gab die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Rechte-Vergabe ab der kommenden Bundesliga-Saison bekannt. DAZN hat sich dabei die TV-Rechte für die Bundesliga-Konferenz am Samstag und die Bundesliga-Einzelspiele am Sonntag gesichert.
Im BILD-Interview verrät DAZN-Chefin Alice Mascia (51) die Pläne des Streaming-Dienstes für die Samstags-Konferenz, Wünsche an die DFL wie Mikros an den Trainerbänken sowie die Personal-Planungen für die kommende Saison.
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BILD: Bei der Bundesliga-Ausschreibung hat sich DAZN erstmals die Konferenzschaltung gesichert und die Bundesliga-Spiele am Sonntag behalten. Wie bewerten Sie das Ergebnis?
Alice Mascia (51):[–> Wir sind sehr glücklich. Das ist ein außerordentlich gutes Ergebnis für uns, inhaltlich und wirtschaftlich. Es war uns wichtig, den Sonntag weiter im Angebot zu haben – mit fünf Spielen mehr als bisher. Mit der Konferenz decken wir 161 Partien ab. Damit kann man bei DAZN die umfangreichste Live-Berichterstattung der Bundesliga verfolgen.
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BILD: Warum hat sich DAZN genau diese Pakete gesichert?
Mascia: [–>Wir schauen uns die Spiele immer im Kontext des Gesamtportfolios an. Unter der Woche haben wir die Champions League. Am Wochenende laufen parallel zur Bundesliga die Serie A, LaLiga, Ligue 1 und die NFL bei uns. Mit der Konferenz können wir unseren Zuschauern sogar noch mehr besondere Live-Momente liefern als bisher.
BILD: Waren Sie überrascht, dass Sie Sky die Konferenz wegschnappen konnten?
Mascia: [–>Ich war zunächst einmal glücklich! Natürlich war ich aber auch etwas überrascht, weil Sky zum ersten Mal nicht die Konferenz bekommen hat. Für uns ist das ein Meilenstein.
BILD: Die Konferenz gibt es seit 2000/01, als Sky (damals noch Premiere) sie erfand. DAZN bietet bei der Champions League bereits eine Konferenz. Wie wollen Sie sich in der Bundesliga von dem unterscheiden, was Sky angeboten hat?
Mascia: [–>Wir haben den Ehrgeiz und das Ziel, die Konferenz im Geiste von DAZN weiterzuentwickeln. Dabei werden wir aber auch respektieren, dass es ein beliebtes und legendäres Produkt ist. Es ist wie eine Mode-Ikone, wie eine Tasche aus den 60ern. Die kann man ins nächste Jahrhundert bringen und trotzdem dem Grunddesign treu bleiben. Wir sind ein mutiger Konzern und wollen diese Gelegenheit nutzen. Wie die Zuschauer Fußball konsumieren, verändert sich. Daher möchten wir die Konferenz zukunftssicher machen. Ein Bestandteil könnte die Fanzone sein, wo die Zuschauer interagieren können. Auch eine separat angebotene und stärker an Mobilgeräten orientierte Konferenz ist einer von vielen Gedanken.
Auswärts auf Schalke„Es bleibt für uns ein bisschen ein Heimspiel“
Quelle: SID, AP, BILD10.12.2024
BILD: Im April sorgte das Paket B für den Konflikt mit der DFL. Es ging vor ein Schiedsgericht, das den Neustart der Ausschreibung anordnete. Diesmal sicherte sich Sky das Paket B. Wie offensiv hat DAZN noch darauf geboten?
Mascia: [–>Wie wir bieten, hängt vom Kontext des jeweiligen Moments ab. Wir bieten für das, was für uns in diesem Moment rational sinnvoll ist. Wir sind ein globaler Player, und seit April ist viel passiert: Wir sind mit DAZN in Frankreich gestartet, wo wir den Großteil der heimischen Ligue 1-Spiele übertragen. Wir haben Verträge in der Schweiz geschlossen und befinden uns in Belgien in der Ausschreibung um die Medienrechte der Jupiler Pro League. Dazu kam gerade die weltweite Vereinbarung um die Klub-WM. DAZN bewegt sich ständig weiter. Außerdem haben wir inzwischen ein profitables Geschäft in Deutschland. Das wollen wir beibehalten.
BILD: Das heißt: Sie waren nicht so auf das Paket B angewiesen, wie Sie vielleicht noch im April vermutet haben, um sich zu einem profitablen Geschäft zu entwickeln. Boten Sie daher weniger?
Mascia: [–>Wir haben ernsthaft mitgeboten, aber haben eben nicht den Zuschlag bekommen. Das haben wir akzeptiert und einfach weitergemacht. Im Zentrum steht für uns immer, dass wir rationale Entscheidungen auf Basis der uns vorliegenden Informationen treffen. Das haben wir auch diesmal getan, aber im Rahmen einer Auktion, kann es immer passieren, dass jemand anderes mehr bietet, und Sky hat sich letztlich das Paket geholt.
BILD: DAZN und Sky zahlen den Großteil der TV-Gelder der Bundesliga. Wie bewerten Sie den Abschluss mit nun 1,12 Mrd. Euro pro Saison?
Mascia: [–>Wir sind in einer Situation, in der anscheinend alle glücklich sind und als Sieger dastehen. Ich bin mir sicher, dass die DFL und die Bundesliga-Klubs zufrieden sind, da sie eine Situation wie in Frankreich, oder wie in fast jeder anderen Liga in der die Erlöse der Medienrechte gesunken sind, verhindern konnten, und wenn ich dem glauben darf, was mein Kollege Barney Mills (Sky-Deutschland-CEO; d. Red.) in den Medien verlauten ließ, so ist auch Sky glücklich.
BILD: DAZN soll diesmal angeblich etwas weniger für die Rechte zahlen als bei der vergangenen Ausschreibung. Sie haben jetzt aber statt 106 nun 240 Spiele – 161 davon in der Konferenz plus 79 komplette Partien. Da DAZN inzwischen profitabel läuft, würde ich schätzen, dass der Preis recht stabil sein wird. Liege ich richtig?
Mascia: [–>Die Richtung ihrer Gedanken stimmt. Wir haben unsere Kosten optimiert, der Umsatz ist gut. Wir arbeiten daran, zu verstehen, wie wir die Konferenz in unser Geschäftsmodell integrieren können und wie dies dann dazu führen kann, dass noch mehr Menschen die Bundesliga schauen werden.
BILD: Für DAZN stehen On-Air-Gesichter wie Laura Wontorra, Michael Ballack oder Sami Khedira. Am Ende von Rechteperioden laufen viele Verträge aus. Wollen Sie mit diesen Aushängeschildern weitermachen?
Mascia: [–>Wir sind sehr zufrieden mit den Dreien, aber natürlich auch mit den vielen anderen wie zum Beispiel Sebastian Kneißl oder Jan Platte. Sie passen alle sehr gut zu unserer Tonart, wie wir mit den Zuschauern sprechen möchte. Wir möchten gern die gemeinsame Reise weiterführen. Beide Seiten bekennen sich zur anderen. Das sehe ich, und es ist mir sehr wichtig. Falls es irgendwann einmal nicht mehr passen sollte, werden wir als Freunde auseinandergehen. Momentan weiß ich unser Team sehr stark zu schätzen. Wenn die Bedingungen stimmen, würden wir gern mit ihnen weitermachen.
Beim Bundesliga-Spiel Leverkusen gegen Stuttgart am 1. Novemeber für DAZN im Einsatz: Experte Michael Ballack (48/l.) und Moderatorin Laura Wontorra (35)
Foto: DAZN
BILD: DAZN und Sky wünschen sich noch besseren Zugang zu den Spielern der Bundesliga. Was steht da ganz oben auf Ihrer Liste?
Mascia: [–>Das sind für mich Mikrofone bei den Bänken und mehr Zugriff auf die Fußball-Profis direkt vor den Spielen. Das steht ganz oben. Ich verstehe natürlich, dass nicht jeder den Wünschen sofort zustimmen wird. Allerdings hoffe ich, dass man sich darauf einigen kann, dass der Fußball von anderen Sportarten lernen kann, wie man die Verbindung zu den Fans herstellt und ihnen etwas bietet. Viele junge Fans haben eine engere Bindung zu einzelnen Spielern als zu Klubs. Das liegt auch daran, dass sie über Social Media viel persönlichere Einblicke bekommen. Sobald die Spieler dann wieder bei ihrem Klub sind, wird dort der Riegel vorgeschoben. Da müssen wir ein gegenseitiges Verständnis mit den Klubs finden, dass es hier nicht darum geht, uns einen Gefallen zu tun, sondern den eigenen Fans mehr zu bieten und so letztlich auch selbst zu profitieren. Wenn Formel-1-Fahrer kurz vor einem Rennen, in dem Fehler tödlich sein können, noch Interviews geben können, dann sollte das für Fußballer doch auch möglich sein. Der Sport braucht dramatische, emotionale Momente.
BILD: Sky sieht sich als führende Sportplattform in Deutschland. Was spricht aus Ihrer Sicht für DAZN?
Mascia: [–>Im Fußball sind wir klar die Nummer eins. Wir sind die einzige Plattform, bei der man Bundesliga und Champions League sehen kann. Dazu kommen noch LaLiga, Serie A, Ligue 1, die Nations League und im Sommer die Klub-WM. Alle großen Wettbewerbe laufen also bei DAZN – national und international. Das ist einzigartig. Und da haben wir mit der unglaublichen Bandbreite anderer Sportarten noch gar nicht angefangen. Wir bieten über alle Altersgrenzen hinweg für jeden etwas.
BILD: Sie erwähnten bereits die Fifa Klub-WM 2025. Dort schloss DAZN einen globalen Rechte-Deal für angeblich eine Milliarde Dollar ab. Die Spiele werden kostenfrei angeboten. Warum?
Mascia: [–>Das war eine gemeinsame Entscheidung von der FIFA und DAZN. Die FIFA möchte die neue Klub-WM zur größten Vereinsmeisterschaft der Welt machen, die man nicht verpassen darf – auf einem Level wie die „normale“ Weltmeisterschaft. Aber ein neues Format muss man erst einmal so vielen Menschen wie möglich näherbringen. Da passt DAZN als globale Plattform, uns kann man überall empfangen. Für uns ist es sehr interessant, weil wir zwar in Europa sehr stark im Fußballbereich sind, aber in den USA stehen wir aktuell in erster Linie für Boxen. Nun werden wir auch dort als Fußball-Plattform wahrgenommen, was auch den europäischen Ligen und Vereinen helfen kann, die seit längerem versuchen, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen.
BILD: Sind Sie offen für Sublizenzen von deutschen Free-TV-Sendern, die gern Bayern- oder Dortmund-Spiele von der WM zeigen möchten?
Mascia: [–>Wir sind dafür offen, schauen uns stets alle Optionen an. Wir haben bereits mit einigen Sendern wie RTL, ProSieben, ARD und ZDF zusammengearbeitet. Wenn das Interesse vorhanden ist, hören wir uns gern die Angebote an – auch in anderen Ländern.